Josef Lampert: Risikobereitschaft lohnte sich

Getzner Textil trotzte allen Krisen und befindet sich weiter auf dem Weg nach oben.

Als Fünfjähriger verweigerte er erfolgreich den Besuch des Kindergartens. Als Ministrant geriet er mit dem Pfarrer in Konflikt und quittierte seinen Dienst. Die Hauptschule verließ er mit einem „Minder entsprechend“ in Betragen und mit einem Vierer in Religion – und das als Sohn eines Lehrers. Heute ist Josef Lampert Vorstandsvorsitzender der Getzner Textil Aktiengesellschaft und hat damit gezeigt, dass ein bisschen Aufmüpfigkeit kein Hindernis auf dem Weg nach ganz oben ist.

Wie es dazu gekommen ist, und welche Hürden zu überwinden waren, erfuhren die Besucher der Veranstaltungsreihe „Unternehmer sein heute“ am Dienstagabend in der Dornbirner Sparkasse. Dass Lampert bei Insidern längst als Kapazunder gilt, zeigte der enorme Besucherandrang im Großen Sparkassensaal.

Als der heute 64-Jährige nach mehreren Jahren Tätigkeit in verschiedenen Jobs von Getzner als Finanzbuchhalter engagiert wurde, konnte er sich nicht vorstellen, dass er bis zur Pension in der Firma bleibt. An die Rente denkt er noch lange nicht, „obwohl ich seit meiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden sieben Tage in der Woche für das Unternehmen arbeite“. Was allerdings nur durch die Unterstützung seiner Familie möglich sei, betont Lampert.

Dass die Traditionsfirma, die vor knapp 200 Jahren gegründet wurde, heute sehr gut dasteht, ist ein Verdienst des Vorstandsvorsitzenden. Als Finanzexperte ersten Ranges gelang es ihm immer wieder, das Schiff an den Klippen vorbeizusteuern. Allerdings konnte er in Krisenzeiten mit der Unterstützung der Besitzer rechnen, die große Risikobereitschaft bewiesen: „Die Eigentümer haben immer wieder viel Geld zugeschossen. Es wurden Besitztümer verkauft, um investieren zu können.“ Nur so sei es möglich gewesen, turbulente Zeiten zu überstehen und sogar zu expandieren.

Solidarische Belegschaft

Stolz ist Lampert vor allem auch auf die Bereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in schwierigen Zeiten sogar einen freiwilligen Solidaritätsbeitrag zu leisten. Auch das war ein Grund, warum es bald steil aufwärts ging mit dem Unternehmen, das heute neben Stoffen für Bekleidung vor allem auch mit technischen Textilprodukten, angefangen von Autositzbezügen bis zu Ballon-Hüllen, Furore macht. Als Volltreffer haben sich Lamperts Bemühungen um Absatzmärkte in Afrika erwiesen. Ganz in seinem Sinne bringt das auch in diesen Ländern Arbeitsplätze: „Wir liefern die Bekleidungsdamaste, die Menschen vor Ort veredeln sie und können somit Geld verdienen.“ Und es entspricht der Firmenphilosophie, sich dort auch für soziale Projekte zu engagieren. HA