Die Autorin Margit Niederhuber ist auf der Suche nach kleinen und großen Geschichten. Philosophisches, Wissenschaftliches oder einfach Alltag – wichtig sind ihr die überraschenden Details. Die Suche nach der Geschichte und Geschichten einer afrikanischen Stadt hat sie zu Menschen geführt, die ihren Lebensunterhalt mit der Verarbeitung und Veredelung von hochwertigen Damaststoffen verdienen. Geliefert von Getzner Textil aus Vorarlberg.

„Der Stoff der tanzt” – oder von Hand zu den edelsten Stoffen Westafrikas

Als Österreicherin wird man in der Modeszene in Dakar sofort auf die tollen und kostbaren Damaste und Stickereien hingewiesen. In Österreich kaum bekannt ist, dass einige Firmen aus Vorarlberg große Fische im westafrikanischen Textilhandel sind. Intensive Geschäftsbeziehungen mit gegenseitigen Besuchen sind an der Tagesordnung. Es gibt Geschichten von Besuchen westafrikanischer GroßhändlerInnen, von Gemeinsamkeiten und verwundertem Staunen. Wichtige Eigenschaften der Stoffe sind der schimmernde Glanz und ein gewisses Knistern oder Rauschen, das beim Vorbeigehen einer Person erklingt, wenn sie ein Kleid aus diesem edlen Gewebe trägt.

Die Afrikaner sagen, der Stoff muss tanzen…

Ein Großteil der bei Getzner Textil hergestellten Bekleidungsdamaste wird nach Mali in Westafrika geliefert. Dort werden sie mehreren Prozeduren unterworfen, um den hohen Anforderungen der unterschiedlichen Kundschaften zu genügen. Die vorbehandelten weißen Stoffe werden in manchmal äußerst kuriosen Farbküchen eingefärbt, gebatikt, mit Wachs bemalt und noch vieles mehr. Der Phantasie sind dort keine Grenzen gesetzt! Auch durch sehr kreative Drucktechniken wird jeder Stoff zu einem echten Unikat. Die Textilien werden nur von Hand bearbeitet. Anschließend wird das ganze „Kunstwerk“ noch in einem „Stärkebad (Amidonbad frz.)“, das ist ein Gemisch aus Wasser und Kartoffelstärke, geschwenkt und zum Abschluss mit einem 5 kg schweren Holzschlegel glänzend weichgeklopft. Dadurch entsteht ein einzigartiger Schimmer und eine Haptik, die es nur in Afrika gibt. Bei großen Zeremonien oder Hochzeiten werden für alle Gäste die gleichen Stoffe verarbeitet, und eine Vielfalt an rauschenden und glänzenden Roben vereinen sich zu einem glamourösen Damast-Fest.

Dieser spezielle Glanz und das damit verbundene Gefühl ist auch ein wichtiger Grund, dass die Vorarlberger Firma Getzner pro Jahr um die 20 Millionen Meter Stoff nach Westafrika verkauft. Schon seit den 1970er Jahren bestehen diese geschäftlichen Beziehungen und sie werden immer intensiver.

Aber der Name Getzner ist nicht nur in Mali ein Begriff. Viele der in dem Alpenstädtchen produzierten Meter an „Bazin Riche“, wie der begehrte Stoff in Afrika genannt wird, ist in ganz Westafrika zu finden. Eine große und bunte Palette an gefärbten und bunt gewobenen Damasten verlässt die Produktion in Bludenz, um sich auf den langen Weg in all die verschiedenen Häfen und Städte Westafrikas zu machen, wo eine ganze Industrie an Designern und Schneidern wartet, um die Gewebe kunstvoll zu besticken und zu beeindruckenden Gewändern weiterzuverarbeiten.

aus: Margit Niederhuber | Ina Ndeye Fatou Thiam
„NETWORKING À DAKAR“, Portraits einer Stadt / Portraits d’une ville
Erschienen im mandelbaum verlag (www.mandelbaum.at/books/818/7599)

Mehr zu den faszinierenden Projekten von Margit Niederhuber erfahren Sie auf
www.margit-niederhuber.com
Noch mehr Informationen zum Boubou (oder Bubu), erfahren Sie auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Boubou