Eine Geschichte von verrückten Ideen, zwei Weltmeistern und viel Tradition

Gaspard-Félix Tournachon ist Fotograf, Zeichner, Schriftsteller und früher Aeronaut. Das Universalgenie arbeitet in der Industrie und organisiert – um seine Malerfreunde zu unterstützen – 1874 in seinem Atelier die erste Ausstellung der damals noch jungen impressionistischen Malerei, mit Gemälden von Claude Monet, Edgar Degas und Paul Cézanne.

Einige Zeit davor hatte Nadar, wie er sich auch nannte – bereits ein Atelier für fotografische Porträts in Paris eröffnet. Anders als andere Auftragsfotografen verzichtet er dabei auf Accessoires, gemalte Hintergründe und Retuschen und konzentriert sich auf Gesichter und Hände. Zu seinen Kunden zählen Schriftsteller wie Charles Baudelaire und Honoré de Balzac, Künstler wie Gioachino Rossini und die vermutlich bekannteste Schauspielerin ihrer Zeit, Sarah Bernhardt.

Am 18. Oktober 1863 steigt Nadar am Marsfeld in Paris zu seiner berühmtesten Fahrt auf. Mit acht Passagieren in einem Aerostat, der seiner eigenen prahlerischen Fantasie entsprungen war: „Ich werde einen Ballon – den ultimativen Ballon – von außerordentlich gigantischen Ausmaßen bauen, zwanzig Mal größer als der größte.“ Er nennt ihn Le Géant, den Riesen.

Nachdem er siebzehn Stunden lang von einem Sturm nach Osten getrieben wird, stürzt der Ballon an einer Eisenbahnstrecke bei Hannover ab. Mit Le Géant hatte der professionelle Ballonfahrer ein kommerzielles Luftfahrtunternehmen gestartet. Der erste Aufstieg dieses Gefährts, für den jeder der dreizehn Passagiere 1000 Francs bezahlte, hatte 200.000 Zuschauer angelockt – die Gondel glich einer zweistöckigen Hütte aus Korbgeflecht und beherbergte einen Erfrischungsraum, Betten, eine Toilette, eine fotografische Abteilung und sogar eine Druckerei, damit man bereits an Bord Gedenkbroschüren herstellen konnte.

 

Ebenfalls 1863 gründet er die Gesellschaft „Société d’encouragement de la navigation aérienne au moyen du plus lourd que l’air“, mit sich selbst als Präsidenten und dem jungen Jules Verne als Sekretär. Ein Luftschiff, das er später konstruiert, inspiriert Jules Verne zu seinem Roman “Fünf Wochen im Ballon“.

Warum uns das Thema so bewegt? Unter anderem, weil Getzner Textil Teil dieser faszinierenden Geschichte sind. Im September 2015 gewinnen die beiden Ostschweizer Ballonfahrer Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger mit ihrem Gasballon NN-Technics den 59. Coupe Aeronautique Gordon Bennet, die Weltmeisterschaft der Gasballonfahrer. Nach 68 Stunden und 20 Minuten in der Luft landen sie an einem Montagabend 2.530 km östlich ihres Startpunkts sicher im Dreiländereck zwischen Polen, Litauen und Weißrussland. Ein gutes Gefühl, ein großes Abenteuer und der Stoff aus dem die besten Geschichten sind.

Für alle, die jetzt noch mehr wissen möchten, empfehlen wir folgende Links:
http://www.gordonbennett.aero
https://de.wikipedia.org/wiki/Gordon-Bennett-Cup_(Ballonfahren)