Vatermörder, Kaiser im Büßerhemd und die Geburt der Brusttasche

Lange Zeit spielte das Hemd eine Nebenrolle in der Modewelt. Was schade ist, denn man kann es in gewissem Sinne als Urform unserer heutigen Kleidung betrachten. Im Lauf der Zeit ist es uns in unterschiedlichsten Formen und sogar in Redensarten begegnet. „Bis auf’s letzte Hemd …“ als Zeichen, alles verspielt zu haben oder „Mein Hemd ist mir näher als mein Rock …“ sind nur zwei Beispiele dafür. Unsere Leidenschaft für Hemden steht jedenfalls außer Frage: Mit ca. 4.000 verschiedenen Mustern pro Jahr zählt Getzner Textil AG zu den weltweit kreativsten Modestoffherstellern für Hemden und Blusen – weshalb international renommierte Designer und Konfektionäre auf unsere Stoffe und Dessins vertrauen.

 

Vatermörder, Kaiser im Büßerhemd und die Geburt der Brusttasche

Ursprünglich hatte das Hemd ja die Funktion eines Unterhemds. Unter grober Wollkleidung oder einem Harnisch sorgte es für Tragekomfort. Erst im Mittelalter fing man an, Bündchen an Hals und Armausschnitten anzusetzen, so dass allmählich ein Kragen entstand, der zugebunden werden konnte – bis dahin schlüpfte man einfach in sein Hemd hinein. Als wirklich eigenständige Oberbekleidung tritt das Hemd erst Ende des 19. Jahrhunderts auf den Plan. In dieser Zeit kamen wichtige Verbesserungen hinzu: Eine Passe am oberen Rückenteil oder ein durchknöpfbares Vorder- oder Rückenteil, das den „Einstieg“ ins Hemd erheblich erleichterte.

Auch in geschichtlichen Ereignissen spielte das Hemd ab dem Mittelalter eine Hauptrolle. Herausragendes Ereignis: Als Heinrich IV. im Jahr 1077 seinen berühmten Gang von Speyer nach Canossa wagte, um von Papst Gregor VII. die Lösung des Kirchenbannes zu erlangen, musste er nach Vermittlung durch Mathilde von Tuszien und Abt Hugo von Cluny mehrere Tage im Büßerhemd vor der Burg ausharren.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch die Stärke als Formgeber immer wichtiger und steife Krägen bzw. Manschetten waren in den feinen Kreisen unverzichtbar. Der weniger begüterte Mann konnte sich mit einem mehrteiligen Hemd aus einfachem Stoff helfen, an das ein Vorderhemd, Stehkragen und Manschetten bei Bedarf angeknöpft werden konnten. Üblich war es bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert gewesen, ein Tuch um den Stehkragen zu binden. Später bog man die Kragenecken wie Schmetterlingsflügel nach unten, und reduzierte das ursprünglich breite Halstuch zu einem symbolischen Tuch, der Fliege. Diese Kragenecken waren oft so scharf, dass beim Kopfdrehen Hautrisse entstehen konnten, was diesen Modellen den Namen „Vatermörder“ einbrachte.

Die letzte Neuerung am Weg zum modernen Hemd war die Brusttasche, die auf einem klassischen Hemd noch immer nicht vorkommen darf. Brusttaschen kamen erst auf, als die Herrenweste als fester Bestandteil des Anzugs verschwand, etwa zu der Zeit, als der Button-down-Kragen salonfähig wurde, dessen Idee aus dem Polosport stammt. Die Kragenecken jeweils mit einem kleinen Knopf zu befestigen entsprang der Notwendigkeit beim schnellen Reiten das Flattern der Kragenspitzen im Wind zu vermeiden. Mittlerweile werden auch feinere Hemden mit diesem Kragentypus ausgestattet, da man seine Krawatte darunter straff tragen kann.

Was allen guten Hemden gemeinsam ist, hat jedoch nichts mit dem Wandel der Moden zu tun: Es ist die Leidenschaft, mit der Stoffe hergestellt werden und aus Stoffen Schnitte entstehen, die zu Hemden werden. Informationen dazu unter http://www.getzner.at/produkte/